Papst Benedikt XVI.: Sakrale Kunst als Aufstieg der Seele zu Gott

Sakrale Kunst ist Zugang zu einer Schönheit und Wahrheit, die über das Alltägliche hinausgeht

In seiner Generalaudienz vom 31. August 2011 sprach Papst Benedikt XVI. über den Zusammenhang von Kunst und Gebet.
Inmitten der vielen Geschäftigkeiten, die den Menschen vom Gebet ablenken können, sei die „via pulchritudinis“, der „Weg der Schönheit“ von sakraler Kunst einer der hilfreichsten Wege, um die Seele zum Gebet und damit zu Gott zu erheben:

Heute möchte ich kurz bei einem der Wege verweilen, die uns zu Gott führen und die uns auch bei der Begegnung mit ihm hilfreich sein können: der Weg der Kunstwerke als Teil jener »via pulchritudinis« – des »Weges der Schönheit« –, über den ich mehrmals gesprochen habe und den der heutige Mensch in seiner tiefsten Bedeutung wiederentdecken sollte. […]

Innenraum des Aachener Doms
Innenraum des Aachener Doms (pixabay.de ©A_Different_Perspective #2141601_960_720)

Sakrale Kunst spiegelt den Glauben von ganzen Generationen wieder

Unsere imposanten kirchlichen Bauwerke (s. a.: Geschichte des Aachener Doms), mit ihren aufwendigen Verzierungen und Ausschmückungen, zeigen uns heute noch den tiefen Glauben und die opferbereite Liebe vorhergegangener Generationen. Diese Schätze, die uns zu eben einem solchen Glauben bewegen sollen, konnten von unseren Vorfahren – insbesondere während Kriegszeiten – nur unter vielen Opfern erworben und erhalten werden.

Doch warum wandten unsere Vorfahren all ihr Gut und Habe, ihre Zeit und ihr handwerkliches Geschick auf, wenn nicht deswegen, dass sie Gott ehren und uns durch das Schauen einer faszinierenden Schönheit zu Gott führen wollten:

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Die Kunst ist fähig, das Bedürfnis des Menschen, über das Sichtbare hinauszugehen, zum Ausdruck zu bringen und sichtbar zu machen; sie offenbart das Verlangen und die Suche nach dem Unendlichen. Ja, sie ist gleichsam eine offene Tür zum Unendlichen, zu einer Schönheit und einer Wahrheit, die über das Alltägliche hinausgehen.
(Papst Benedikt XVI., Generalaudienz)


Sakrale Kunst führt den Betrachter zur Sammlung und zum Gebet

Professor Dr. Peter Stephan, Professor für Architekturtheorie und Geschichte der Architekturtheorie in Potsam sprach zur 18. Kölner Internationalen Liturgischen Tagung (Herzogenrath, Bistum Aachen) in seinem Vortrag „Schönheit als Aufstieg zu Gott“ über die Bedeutung der Kunst in der Theologie Benedikts XVI.

Der Glaube hebt das Sehen nicht auf, sondern führt es seiner ursprünglichen Bestimmung zu. Bilder sind also mehr als nur didaktische Hilfsmittel – sie führen zu Gott, wenn ihre Betrachtung gleichsam zum Gebet wird.

Papst Benedikt XVI. sprach in seiner Generalaudienz vom 31. August 2011 von der Bedeutung des kirchlichen Raumes als Weg zur Betrachtung und zum Gebet:

Chorraum des Aachener Doms
Chorraum und Apsis vergegenwärtigen den himmlischen Thronsaal
(pixabay.de ©A_Different_Perspective #2141599_960_720)

[…] Ein Beispiel wird uns gegeben, wenn wir eine gotische Kathedrale besuchen: Wir sind hingerissen von den vertikalen Linien, die sich zum Himmel erheben und die unseren Blick und unseren Geist in die Höhe richten, während wir uns zur selben Zeit klein fühlen oder nach Fülle verlangen

Oder wenn wir in eine romanische Kirche eintreten: Wir sind sofort zur Sammlung und zum Gebet eingeladen. Wir spüren, daß in diesen wunderbaren Bauwerken gleichsam der Glaube von Generationen enthalten ist. […]
(Papst Benedikt XVI., Generalaudienz)


Lumen Gentium: Dogmatische Vorschrift über die ehrfürchtige Bewahrung der Gnadenbilder Mariens

Papst Johannes Paul II. wies in seiner dogmatischen Konstitution „Lumen Gentium“ in Kapitel 8,67 darauf hin, dass alle Bilder Christi und seiner hochgebenedeiten Mutter, welche uns von unseren Vorfahren über Jahrhunderte überliefert wurden, in Ehrfurcht zu bewahren sind.

Wie oft spornen uns doch Bilder oder Fresken, Frucht des Glaubens des Künstlers, durch ihre Formen, ihre Farben, ihr Licht an, die Gedanken Gott zuzuwenden, und lassen in uns das Verlangen wachsen, aus dem Quell aller Schönheit zu schöpfen.
(Benedikt XVI., Generalaudienz)

Das Gnadenbild im Aachener Dom –
„Ein (oder kein?) Kleid für Maria“

Nur allzu oft haben wir bereits gesehen, wie moderne „Kunst“ im kirchlichen Raum entarten kann.

Das uralte Gnadenbild Mariens soll durch den Wettbewerb „Ein Kleid für Maria“ ein neues Kleid – oder etwas anderes – erhalten.

Dies sind die Vorgaben für das Kleid:

  • Es soll nicht prächtig sein.
  • Es darf „gegen den Strich gebürstet sein“ (i. e. anzüglich),
    insofern es einen künstlerischen Ausdruck / Botschaft hat.
  • Es soll ein „zeitgemäßes“ Gewand für den Alltag sein.
  • Es soll die alten Verehrungsformen Mariens in die Moderne führen.
  • Das Gnadenbild soll aus seiner „herrscherlischen Sphäre“ herausgeholt werden (i. e. ohne Szepter und Krone).

(Quellenverweise: Offizieller WDR-Beitrag, Offizielle Ausschreibung des Domkapitels)

Der Wettbewerb „Ein Kleid für Maria“ widerspricht somit in seiner Intention in jeglicher Weise den Vorgaben kirchlicher Autorität zur Bewahrung heiliger Bilder und Abbildungen der Allerseligsten Jungfrau.

Die Gläubigen aber sollen eingedenk sein, daß die wahre Andacht weder in unfruchtbarem und vorübergehendem Gefühl noch in irgendwelcher Leichtgläubigkeit besteht, sondern aus dem wahren Glauben hervorgeht, durch den wir zur Anerkennung der Erhabenheit der Gottesmutter geführt und zur kindlichen Liebe zu unserer Mutter und zur Nachahmung ihrer Tugenden angetrieben werden.
(Lumen Gentium, Kapitel 8,67)

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Ein Gedanke zu „Papst Benedikt XVI.: Sakrale Kunst als Aufstieg der Seele zu Gott“

  1. Man kann sicher berechtigt argumentieren, dass man in monarchischen Zeiten ein anderes Empfinden für Kunst hatte, als in heutigen demokratischen Zeiten. Dann sollte man aber nicht ein Kunstwerk aus der damaligen Zeit verfälschen, das dessen Botschaft verfälschen würde. Dann sollte man lieber ein neues Werk schaffen, das die Botschaft unserer Zeit wieder gibt. Das dürfte aber nicht so einfach sein. Schließlich ist das Bild „Maria Königin des Friedens“ nicht ein der Fantasie entsprungenes, sondern stammt aus der geheimen Offenbarung. Ein Anpassen an das Empfinden unserer Zeit birgt von daher die Gefahr einer Profanisierung in sich.

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